Aber von Anfang an. Aber Vorsicht, es ist eine lange Geschichte. Angefixt vom Zweirad wurde ich von meinem Opa, der sein Leben nach dem Krieg und der Gefangenschaft als Bauarbeiter verbrachte. Und den Weg zu Baustelle legte er auf einer seiner beiden Kreidler Moppeds zurück. Eine fuhr, eine war im zerlegt auf der Werkbank. Und irgendwann durfte ich mitfahren, ich war der Held der Straße.. Mit acht Jahren ein erhabenes Gefühl. Dann wurde der Opa krank, die Moppeds von denen eine mir versprochen war kamen weg. Mein Vater begründete es damals nicht, er brachte sie einfach zum Schrott.

Mit 14 Jahren erwachte dann wieder der Wunsch in mir , an meinem 15. Geburtstag ein Mofa zu fahren. Ich fing an auf dem Bau zu helfen, arbeitete in einer Gärtnerei und später auch im Landschaftsbau. Stacheldrahtzäune an der Emscher zu ziehen war jetzt nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber der Zweck heiligt die Mittel. Und dann , es hatte wiedermal den Wochenlohn gegeben, 15 war ich auch schon, da hatte ich das Geld fürs gebrauchte Mofa zusammen. Nachdem ich das meinem Vater erzählt hatte musste ich mir lange Tage lang seine Meinung dazu anhören, kurz – er war dagegen. An einem Samstag nahm er mein Geld, lud meinen Bruder und mich in den Rallykadett und fuhr wortlos Richtung Lünen mit uns. Es ging nach Möllemann oder wie immer der Laden auch hieß, ein Spielzeug und Fahrrad Laden. Und er kaufte für mich, von meinem hart verdienten Geld ein Peugeot Rennrad für 350 Mark. Und ehrlich , ich hätte im Strahl kotzen können, war machtlos und weil auch recht unwirsch aus der Wäsche schaute, gabs gleich noch die Androhung von Schlägen zum neuen Fahrrad. Ich habe meinen Alten dafür gehasst, wie ein heranwachsender nur hassen kann. Das Fahrrad war übrigens scheisse, nicht geeignet für unsere schlechten Straßen , es war dauernd was im Arsch.

meine erste Mofa- eine Meister
meine erste Mofa- eine Meister

Aber in dem Alter versucht man ja sich seine Wünsche und Träume zu erfüllen, so bin ich weiter Stacheldraht ziehen oder Steine schleppen gegangen. Dann der Schulabschluß der Eintritt ins Berufseben. Ich hab eine Lehre bei Schering angefangen, war mittlerweile 17 und hab mir meine erste Mofa gekauft. Eine Meister wars mit 3-Gang Sachsmotor und Starrrahmen. Aber lief und konnte mit einigen kleinen Eingriffen ins Innenleben der gebläsegekühlten Motors schon auf 70 – 80Km/h gebracht werden. In der zwischenzeit hab ich dann auch mit dem Klasse 4 Führerschein angefangen, weil als nächstes eine 50er angeschafft werden sollte. Und weils Geld nicht für eine neue reichte, wollte ich mir eine schöne gebrauchte Kreidler kaufen, voll verchromt und 6,3 PS…. geil. Mein Vater fuhr mit mir nach Dortmund, die Kreidler zu besichtigen. Ich war begeistert, das Ding ging schon recht gut. mein alter Herr meinte wir müssten uns das nochmal überlegen, und zack waren wir weg.

So sah sie aus, meine Zündapp
Zündapp-KS50-Watercooled-TT

Auf dem Weg nach Lünen. Dort gings zum ansässigen Moppedhändler , der mir dann eine nietennagelneue Zundapp KS 50 WC verkaufen durfte incl. einem Römer Integralhelm neuester Bauart aus GFK, Das dieser 3 Wochen später mein Leben, bzw auf jeden Fall mein Gesicht retten würde, kam mir da noch nicht in den Sinn. Die Zündapp war so neu, das ich die erste, im Januar 1977 zugelassene in NRW bekam, Die kleine Verkleidung war noch garnicht lieferbar. Und mein Vater hatte einen gutteil des Kaufpreises finanziert, nicht ohne mir das Versprechen abzunötigen, das das nächste Fahrzeug ein Auto sein sollte.

Joo, alles super dachte ich. Es war Januar, es war dunkel , Kopfsteinpflaster und Regen…. am 3 Tag musste ich schon mal zum Händler neue Blinker rechts und nen Spiegel besorgen. Sonst war nix kauttgegangen – ausser mein Ego. die dicken Eier schrumpften schnell wieder auf normale Größe. Drei Wochen später wurds dann richtig ernst. Ich wollte zum Kollegen, hatte meine damalige Perle gerade zu Hause abgesetzt und war auf dem Weg nach Bergkamen. vor mir drei, vier Autos sonst nix. Rechts in der Seitenstraße stand ein alter Passat und achtete fein die Vorfahrt der Autos, als ich dann direkt vor ihm war gab er Gas. Das nächste woran ich mich immer noch erinnere, mein erster Aufschlag auf den Asphalt. Voll mit dem Kinn aufgeschlagen, dann mit dem Arsch über Rollsplit und weiter zwischen zwei Verkehrsschildern in den nassen, weichen Acker. Und etliche Meter weiter lag mein ganzer Stolz mit laut schreiendem Motor – ein hässlicher Anblick.Und der Autofahrer stieg nicht aus, blieb einfach im Auto. Er konnte auch nicht aussteigen, war ja sturzbesoffen. Also bin ich zu ihm hin, Autotür auf und ihm meinen Helm den ich abgenommen hatte, erstmal von der Seite an den Schädel gehauen. Dann hab ich mir eine gedreht und auf die Rennleitung gewartet. Als die dann nach einer Stunde kamen, waren sie nett und freundlich, haben den Autofahrer klammheimlich nach Hause bringen lassen und unterstellten mir dann ich hätte ihn gerammt. Dorfbullen halt. Irgendwann haben sie mich auch nach Hause gebracht wo ich erstmal duschte. Und da bemerkte ich das mir doch so einiges wehtat, die Arschbacken voll Rollsplit , blaue Flecken am ganzen Körper und zu guter letzt noch beim Nasebohren festgestellt das mein Zeigefinger gebrochen war. Mein alter Herr kam nach Hause, seine erste Frage war was mit dem Mopped sei. Als das geklärt war, fuhr er mit mir ins Marienhospital nach Lünen um mich durchchecken zu lassen. Und da traf ich auf einen Arzt, der seine sadistischen Gelüste an meinem Arsch so richtig auslebte. Erst mit einer recht groben Wurzelbürste, dann mit einer spitzen Pinzette holte er jedes noch so kleine Körnchen Rollsplit und jeden Faden der Jeans aus meinem Fell. Zwei Stunden , die ich nie vergessen werde. Und alles unter den Anfeuerungsrufen meines Vaters. Die beiden hatten richtig Spass. Und in diesem Moment schwor ich mir, das mein nächstes Fahrzeug wieder 2 Räder hat und das ich mit 18 mir auch ein richtiges Motorrad kaufe.

Und so kam es dann auch , als die Versicherung den Schaden beglichen hatte, tilgte ich meine Schulden beim Vater, vom Rest wurde diesmal eine gebrauchte Zundapp gekauft, der dann der neue Motor implantiert wurde. Das musste bis zum Klasse 1 reichen. Als denn der große Tag da war, die Führerscheinprufung bestanden und der Lappen in meinen Händen war, gings gleich zu Sagowski , Hondahändler bei uns am Ort. den hab ich solange zugelabert, bis er mir eine CB 750 K6 zur Probefahrt aushändigte. Vereinbart hatten wir eine Stunde. das war um 10Uhr morgens. Als ich dann gegen 18 Uhr und nach 2 verballerten Tankfüllungen wieder bei ihm war, konnte ich seinen Unmut schon von weitem erkennen. Ich hab ihm dann noch erklärt das ich die Karre dann doch nicht so toll finde, er brabbelte dagegen immer was von über 600km. War halt ne lange Probefahrt, wir wurden auch nie Freunde. An meinem 18. Geburtstag hatte ich mir übrigens geschworen, das ich meinen 60. auf einem Motorrad verbringen werde. Punkt.

Meine Suzuki GT185
Meine Suzuki GT185

Jetzt holte mich aber auch die Realität ein, Wenig Geld auf dem Konto, der Alte extrem angepisst und Gebraucht gerade nix vernünftiges zu bekommen. Shit happens. Bin dann irgendwann mal bei Suzuki Syga an der Bornstr. gelandet. Und der hatte ein Motorrad das ich mir leisten konnte im Angebot. Allerdings nur mit 17 PS, aber mit E-Starter. Die GT185 wurde mein erstes eigenes Motorrad. War ganz ok, die Kleine. War einigermaßen bequem, die Drossel auf 17 Ps war fix rausgenommen und somit konnte man gute 130 – 140km/h damit fahren. Zur Arbeit und zur Berufsschule brauchte ich nicht mehr. Ja, alles gut… bis zu dem Tag, ein halbes Jahr später als auch die 185er Schrott war, so richtig Schrott. Die Geschichte dazu erzähle ich euch vllt. später mal.

Meine GT250... ein Träumchen
Meine GT250… ein Träumchen

Auf jeden Fall wurde dann eine Suzuki GT250 angeschafft, mit der ich dann viele 1000 km zurückgelegt habe. Ein gutes , robustes Motorrad das nach dem *breites Grinsen* Umbau auf 400ccm auch recht flott war. Ich habe dieses Motorad geliebt, bin viel damit gefahren. Hatte auch ein paar Stürze, aber der Bock hat alles gut weggesteckt. Erst als ich beim Bund war und mein Bruder die GT unerlaubter Weise fuhr, hat sie so stark gelitten, das ich sie verkaufen musste. Wärend dieser 4 Jahre hatte ich dann noch , jeweils nur für kurze Zeit eine Suzuki GT750 Wasserbüffel, eine 750er Dreizylinder Kawasaki 2Takt,- genannt Witwenmacher und durfte mit den Kumpels eine Ex 750er Honda im Langstreckentrim rennmäßig bewegen. War schon geil hinter dem 38 Liter Tank auf dem knappen Sitz zu hocken und mal richtig schnell zu fahren. Aber, wie es so kommt, ich wollte als Zeitsoldat zum Bund, ein Auto musste her und fürs Motorradfahren blieb keine Zeit. Als die GT250 verkauft war, war auch meine aktive Motorradzeit vorbei, die Freundschaften zerbrachen und ich kümmerte mich um meine Karriere. Die aber ziemlich unverhofft und schnell endete so das ich mich neu orientieren musste. Geld hatte ich keins mehr, weil alles in den getunten Golf geflossen war, damit war Motorradfahren erstmal passe.

Meine TR1 nach 35 Jahren
Meine TR1 nach 35 Jahren

Nun ja, die die vom Motorrad Virus infiziert sind, wissen das Corona dagegen ein Dreck ist. Es lässt dich einfach nicht los. Und 1984, wir waren gerade verheiratet, schlug ich meiner Frau vor, uns wieder ein Mopped zu kaufen. Diesmal was solides , etwas zum Reisen. Mann wird ja älter. Ich hatte mich dann für eine gebrauchte Goldwing entschieden die wir auch kaufen wollten. Allerdings wollten die besuchten Händler uns Motorräder andrehen, die das Beste hinter sich hatten …. anders gesagt sie wollten uns über den Tisch ziehen. Wir sind dann schon recht stinkig wieder nach Hause gefahren . Und auf der Heimfahrt sah ich SIE im Schaufenster eines FIAT Händles stehen. Hochbeinig, dunkelgrün, mit großen Krauser Koffern an den Hüften. Eine 3 Jahre alte , also noch fast jungfräuliche Yamaha TR1. Ich war schockverliebt. Die TR1 war zwar etwas runtergekommen, die Vorbesitzer hatten ihr wenig Liebe geschenkt aber ich wollte Ihr ein neues, gutes Zuhause geben. Sie wurde meine zweite große Liebe , die 35 Jahre hielt. Und der ich immer noch nachtrauere….

geht die Tage weiter, jetzt bin ich müde… es ist gerade 1 Uhr durch……

Update

Ein trockener Schlag, Zahnflanken klatschen ineinander, ein Elektromotor winselt, dann zündet der V2 und bollert weich vor sich hin. Das Starten der Yamaha TR1 ist eine Art Zeremonie, die mir jedes Mal aufgestellte Nackenhaare und Glückshormone bescherte.
Weil der Anlasser sich akustisch so anstrengen musste, fürchtete man jedes Mal, er könne es nicht rechtzeitig schaffen. Meistens aber schaffte er es. Wenn dann der 1000er die Arbeit aufnahm und in seinen gediegenen Ruhepuls verfiel strahlte die Welt in neuem Glanz. Dieses satte, bassige Mahlen, mit der die dicken 500er Kolben ihre kurzen Wege zurücklegen, hat mich süchtig gemacht.  (Zitat Motorad Online)

Nach der ersten Saison mit unserer TR1, wir waren kreuz und quer in Deutschland unterwegs, habe ich mich dran gemacht das Mopped bischen aufzuhübschen. Ein Kunde, Inhaber einer großen Lackiererei machte mir den Lack, die Motorteile habe ich selber poliert und dann zum Verchromer gebracht. Was folgte war eine Komplettzerlegung, alles saubermachen und die verchromten Teile wieder montieren. Die verbliebenen Alu Teile wurden hochglanzpoliert, eine Sitzbank vom Sattler meines Vertrauens genau auf unsere Ärsche angepasst und mit feinstem Leder bezogen und unseren Initialen bestickt. Die Rückenlehne für den Sozius entstand aus eine Bürostuhl Lehne und dem Sitzbankleder.

Und dann gings los, Lange Touren mit meinem Schatz und der TR1 , Clubgründung des XV-Clubs und auch dort recht aktiv. Bis dann unsere Töchter einschlugen und meine Selbständigkeit mich immer mehr forderte. Es blieb einfach keine Zeit zum fahren. Auch wenn die TR1 immer angemeldet war, mehr als ein paar hundert Kilometer kamen dann nicht mehr auf die Uhr. Leider hat dann ein Werkstatt Depp bei einer Inspektion wohl die Düsennadeln vertauscht, was dem Motor langfristig nicht gut bekommen ist. Das stellte sich dann aber leider erst bei den Restaurierungsarbeiten 2017-2019 heraus. Ich wollte ja meinen 60igsten Geburtstag auf dem Motorrad verbringen.

Und kommen wir schon zur Kawasaki 1500 Vulcan. aber das erzähle ich die Tage…..

Prolog:

Ich habe meine 81`er TR1 geliebt. Leider musste ich sie nach 35 Jahren abgeben, da der Instandsetzungsaufwand und die entsprechenden Kosten sich ins unermessliche addierten. Aber Sie ist weiter in meinem Herzen, keine Ihrer Nachfolgerinnen kommt an das TR1 Feeling heran. Nicht die 1500er Vulcan und auch die neue Harley nicht, sie haben Ihre Vorteile ja, aber den Charakter und den Charme der TR1 können Sie nicht ersetzen.

Meine Motorräder – eine Chronik über fast 50 Jahre

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